Welcome back!
Das ist eine interessante Frage...
Mir wurde es eigentlich ziemlich leicht gemacht. Meine Ex fand auf einer Party einen gemeinsamen Bekannten auf einmal sehr "sympathisch" und die beiden konnten es sich nicht verkneifen, das auch gleich öffentlich zu zeigen. Das habe ich in unserer Beziehung das zweite Mal gesehen (einige Jahre zuvor war es der Fitnesstrainer) - da war klar, dass die Beziehung vorbei ist.
Die folgende Zeit verbrachten wir noch (einen guten Monat lang) in einer Art Zwangs-WG. Dabei wurde herzlich wenig Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten oder einen guten Stil genommen. Jeden Abend telefonierte meine Ex stundenlang mit ihrer neuen Eroberung - völlig ungeniert. Häufige Anrufe von ihm, usw. - es war "demonstrativ" und nicht zu ertragen, aber aus heutiger Sicht durchaus dankenswert.
Kurz und gut:
Einen guten Monat später zog sie aus. Sie hat einen Teil des Hausrats mitgenommen, am Abend nach dem Auszug sah die Wohnung entsprechend aus. Das Wohnzimmer halb leer, der Boden schmutzig (es regnete an dem Tag, überall Fußspuren der Helfer usw.), auf die Idee das wegzumachen ist keiner gekommen - aber egal.
Viele Freunde haben mein Verhalten nicht verstanden. Ich war beim Umzug dabei, habe sogar zusammen mit meiner Tochter ihr Zimmer umgezogen und sogar in der neuen Wohnung aufgebaut. Mir war dabei nur eines wichtig: meiner Tochter gegenüber zu kommunizieren, dass alles OK ist, dass diese neue Wendung ihr keine Angst machen muss, dass es für sie schon OK ist. Meine Ex hat dann später gesagt, ich hätte nur vor den Helfern (gemeinsame Bekannte / Freunde) eine Show abziehen wollen
Wie auch immer, abends nach dem Auszug sitze ich in meiner leergeräumten und versauten Wohnung und zwar allein. Ich habe ganz bewusst das Angebot von Freunden, den Abend, sogar ein paar Tage bei Ihnen zu verbringen abgelehnt. Ich wollte mir diese Atmosphäre einfach geben. Und es geschah etwas überraschendes: Ich konnte auf einmal freier atmen. Es war als ob sich mein Lungenvolumen auf einmal erhöht hätte, als ob man mir einen Rucksack, den ich ständig getragen habe, auf einmal abgenommen hätte. Und dieses Gefühl habe ich immer noch, wenn ich an diese Zeit denke (jetzt 3 Jahre her). Eine gute Flasche Rotwein habe ich mir allein auf einer Isomatte in meinem Wohnzimmer inmitten des ganzen Chaos gegeben und eigentlich mit der Beziehung zu meiner Ex relativ leicht endgültig abgeschlossen. Das war sicherlich eine "Party" der skurilen Sorte, aber es "passte" in diesem Moment exakt und war sehr wichtig für mich.
Das hat mir gezeigt, dass die Zeit wahrscheinlich ohnehin reif für eine Trennung war, ich war auch auf den neuen nicht mehr böse, eigentlich auch schon vorher nicht mehr. Sicher war die Nummer, die die beiden auf der Party abgezogen haben extrem geschmacklos. Allerdings floss auch reichlich Alkohol und an der Entwicklung die dem Ganzen vorausgegangen ist, war ich mit Sicherheit nicht unschuldig - unsere Zeit war einfach abgelaufen. Die "B-Note" für diese Aktion ist dennoch erbärmlich, das sehe ich auch heute noch so.
Das einzige was mich noch sehr lange beschäftigt hat, eigentlich auch noch heute irgendwo beschäftigt, ist die Frage, wie ich mich in einem Menschen so täuschen konnte. Es ist der bittere Nachgeschmack einer langen Täuschung, der man erlegen ist, sowas wie das Zweifeln an der eigenen Menschenkenntnis. Ich stelle mir manchmal die Frage, wie ich so blind sein konnte die ganze Zeit den wahren Charakter verkannt zu haben...
Versöhnt werde ich mit diesem Aspekt aber wieder durch meine Tochter, eine prächtige kleine Lady mit Ecken und Kanten, die man einfach lieb haben muss, und die es sonst nicht geben würde. Heute der wichtigste Mensch in meinem Leben.
Unter dem Strich bin ich also auch damit im reinen und hadere nicht

, die Lebensbilanz ist bisher positiv.
Alles in allem bin ich also sehr schnell "fertig" gewesen. Bedanken dafür sollte ich mich eigentlich bei meiner Ex, die es mir durch ihr Verhalten im Nachhinein betrachtet sehr einfach gemacht hat - würde ich sogar tun, nur sie würde es nicht verstehen...
Soweit meine Geschichte
