Furore macht gerade der Dokufilm "Der entsorgte Vater", der gerade auf Tournee in ausgesuchten Kinos zu sehen ist.
Mehr dazu hier:
http://www.der-entsorgte-vater.deIch konnte gestern an der Premiere in Karlsruhe in der Schauburg teilnehmen und möchte euch einige Eindrücke nicht vorenthalten.
Eine sehr einfühlsame Doku im Stil der 37°-Reportagen im ZDF, eher noch "näher dran" am Menschen, mit viel Raum für die einzelnen Figuren, leise, ohne erhobenen Zeigefinger - vielfach wirken einfach nur die Gesichtsausdrücke der Protagonisten. Vermisst habe ich etwas die Beleuchtung des juristischen Hintergrundes, es wurde nicht immer ganz klar, warum die Väter im einzelnen ihre Kinder nicht sehen durften / konnten, hätte aber wahrscheinlich den Rahmen gesprengt, die emotionale Ebene stand ganz klar im Vordergrund. Dass der Filmemacher auch Protagonist ist, ist unverkennbar und färbt den Film nachhaltig, die professionelle Distanz fehlt, muss angesichts der Erfahrungen des Filmemachers zwangsläufig fehlen. Das mag kritikwürdig sein, wurde aber andererseits auch nie in Abrede gestellt. Der Zuschauer wird nicht im Zweifel darüber gelassen, dass hier autobiografische Züge wesentlicher Antrieb waren und wird so in die Lage versetzt, sich entsprechend zu positionieren. Auch fehlen komplett Stellungnahmen der Gegenseite, also der jeweiligen Mütter. Es ist eine stark emotional gefärbte Aufnahme aus der Sicht der Väter, auch wenn eine Frau mit ihrer Geschichte zu Wort kommt, die aber losgelöst von den anderen zu sehen ist. Das muss man entsprechend würdigen, gleichwohl verlässt man(n) das Kino mit dem Gefühl, dass es genau dafür höchste Zeit war - jedenfalls ging es mir als Betroffener so.
Alles in allem ist es ein gelungenes Werk, das hoffentlich viele zum nachdenken anregen wird. Insbesondere über diesen unausgesprochenen gesellschaftlichen Konsens, der von Vätern verlangt stillschweigend die zugewisene Rolle anzunehmen, sich in gewisser Weise leise zu entsorgen, diesen stetigen Gegenwind, den man von allen Seiten spürt, wenn man mehr für sein Kind bleiben will als das.
Die anschließende Diskussion (fast alle im Film gezeigten Personen waren da) ist nach meinem Geschmack nach vielversprechendem Anfang leider in Selbstdarstellungsambitionen der im Publikum anwesenden Verbandsvertreter und selbsternannter Interessenführer untergegangen. Jeder wollte im Windschatten des Wirbels, den der Film offensichtlich auslöst (das Kino war fast voll, viele Medienvertreter waren anwesend) offensichtlich Werbung für seine eigene kleine Sache machen, oder sich einfach selbst darstellen. Interessant hingegen waren im Anschluss daran im Foyer die "kleinen Diskussionen" direkt mit anderen Besuchern, für die an bereit gestellten Stehtischen und Bierbänken im Innenhof des übrigens sehr schönen Kinos Raum geboten wurde.
Persönlich kann ich mitnehmen, dass es noch schlimmer geht als in meinem Fall, insbesondere hatte ich offensichtlich Glück mit Jugendamt und Gericht. Im Falle des Autors kamen wohl beide zu der Ansicht, dass nach Wegzug der Mutter das Kind "Ruhe" brauche - in diesem Fall bedeutete das eine Aussetzung des Umgangs für 2 Jahre - der Vater als Ruhestörer, amtlich bestätigt !
Viele der Gedankengänge der Protagonisten gingen mir sehr nahe, man fühlt stark mit. Unvergesslich bleiben wird mir, wie der erste selbstgeschriebene Brief der Tochter an ihren Vater gezeigt wird, mit krakeliger kindlicher Handschrift ausgeführt, indem sie schreibt, dass sie ihn nicht mehr sehen will und auch nichts mehr mit ihm unternehmen will, oder wie die Kamera das Gesicht eines anderen Vaters zeigt, wie er zum wiederholten Mal ein Paket öffnet, indem sich Briefe und Weihnachtsgeschenke an seine Kinder befinden, die die Mutter - allesamt ungeöffnet - zurückgeschickt hat...
Ein guter Tipp, wer kann, sollte sich das anschauen - auch und besonders die Mütter...
